Gebaerdensprache
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Allgemeines
Es gibt unzählige Gebärdensprachen. Besonders interessant sind die Gebärdensprachen der Trappisten und der Taubstummen (moderne Gehörlosensprache).
Geschichte
Details
Einzelne Gebärdensprachen
Gemeinsam haben die Gebärdensprachen, dass sie nicht an Alphabete gebunden sind.
Trappisten
Schon die Regel des hl. Benedikt schreibt Mönchen vor zu schweigen und schlägt die Verständigung durch Klang und Zeichen vor. Das führt dazu, dass schon um das Jahr 1000 eine systematische Liste von knapp 300 Gebärden unter den Mönchen im Umlauf ist und nach und noch Listen mit 1.300 Zeichen kursieren, die sich auf die folgenden vier Kategorien zurückführen lassen: Befehl, Wunsch, Frage, Bestätigung. Es gibt schon im 9. Jahrhundert Handschriften, die an Hand von Figuren bildlich erklären, wie man sich mit den Fingern verständigen kann. Und dass der hl. Benedikt in der religiösen Kunst nicht selten starr und mit dem Finger am Mund dargestellt wurde, zeigt, wie wichtig den Mönchen das Schweigegebot war. Viele dieser Zeichen hatten einen direkten Bezug zu dem Bezeichneten, etwa, wenn das Kreuzzeichen gemacht wurde. Andere Zeichen dieser Sprache waren aber beliebig, d. h. sie hatten keinen Bezug zu ihrer Bedeutung. So z. B. wenn man die Spitze des Zeigefingers berührte, um ein Viertel von etwas zu bezeichnen. Andere Zeichen der von den Trappisten weiter entwickelten Gebärdensprache der Mönche setzten sich aus verschiedenen Gebärden zusammen. Z. B. das Zeichen für "Biene", von den Trappisten, die gerne die Imkerei betrieben, oft benutzt. Um eine Biene darzustellen, wurden die Gebärden für "süß" und "Flügel" zusammengesetzt. Auch Begriffe, die aus zwei zusammengesetzten Bewegungen bestanden, waren nicht selten.
Diese Sprache hat sich aus der Erfahrung entwickelt und kreist um die für Mönche wichtigen Gegenstände, Bewegungen und Themen. Sie versuchte, mönchischen Bedürfnissen gerecht zu werden, wobei aber manche Zeichen unklar blieben, was zu manchen zweideutigen Situationen führte. Auch kann man in dieser Sprache nicht alles sagen, weil die Liste der Wörter doch sehr begrenzt ist. Und: Gebärden sind kein Alphabet, sondern Direktverweise auf die Bedeutung.
Taubstummensprache
Die Taubstummensprache muss natürlich mehr können als die Sprache der schweigenden Trappisten. Sie muss alles ausdrücken können. Wie das möglich ist, durch ein Zeichenäquivalent zum Alphabet oder ohne Rückbindung an das Alphabet hat man lange diskutiert. Es entwickelten sich im 18./19. Jahrhundert im Grunde zwei Schulen.
Die erste Schule war von dem französischen Geistlichen Abbé de l'Epée (1712-1789) bestimmt. Mitte des 18. Jahrhunderts soll er eines Tages vor Regen in ein Haus geflüchtet sein, wo er sah, wie sich zwei Taubstumme Zwillingsschwestern mit Gesten unterhielten, die sie selbst entwickelt hatten. De l'Epée war beeindruckt und zur Entwicklung einer Gebärdensprache angeregt. In Paris gründete er 1755 die erste öffentliche Schule für taube Kinder und vermittelte eine Gebärdensprache, die Bedeutung durch Gestik und Mimik übermittelte.
Die zweite Schule kam aus dem anglo-amerikanischen Raum und versuchte gehörlosen Kindern mit Hilfe eines Handalphabetes die Klänge der gesprochenen Sprache beizubringen. Im englischen Gebärdensprachen-Alphabet benutzte man zur Darstellung der einzelnen Buchstaben des Alphabets beide Hände gleichzeitig. Ein ziemlich mühsames Unterfangen.
Die moderne Gebärdensprache baut auf den Erkenntnissen von Abbé de l'Epée auf, der allerdings nicht verstanden hatte, dass weder die Linearität noch die abstrakte umfassende Syntax der gesprochenen Sprache in die Gebärdensprache übertragen zu werden braucht, denn die Gebärdensprache hat etwas, was die gesprochene Sprache nicht hat, nämlich die körperliche und räumliche Dimension. Man hat so eine Gebärdensprache geschaffen, die nur aus Gesten und Mimik besteht, eine Syntax, eine Lexik und sogar eine Stilistik hat und das auf der Basis einer sehr ökonomischen Zahl von Parametern. Es ist faszinierend zu sehen, dass es nur die Gestalt (z. B. die Hand), die Richtung (gegen den Körper oder weg von ihm), die Stelle für das Zeichen (etwa der Brustkorb), die Bewegung (z. B. Kreisen) und den Gesichtsausdruck braucht, um selbst poetische Inhalte oder regionale Unterschiede auszudrücken. Es gibt sogar international gültige Zeichen der heutigen Gebärdensprache, die überall verstanden werden.
Sioux
Neben ihrer gesprochenen Sprache haben die Sioux Nordamerikas noch eine auf ihre Kultur beschränkte Gebärdensprache entwickelt, die sie manchmal an der Stelle ihrer gesprochenen Sprache verwenden. Erforscht hat sie William Tomkins, der etwa 500 Zeichen registrierte. Sie werden mit der Kopfstellung den Händen und dem Gesicht ausgeführt. Es handelt sich weniger um einen Zeichencode als um ein Zeichenensemble wie bei den Trappisten. Es ist auf die Sioux-Lebenswelt zugeschnitten und umfasst Substantive, Adjektive, Verben, Adverbien und Relativpronomen.
