Ungebrochene indische Geisteswelt

Angesichts der indischen Kultur und Religion können Europäer nur mit Achtung anerkennen, dass sie heute noch lebendig sind, während die Überlieferungen und Vorstellungen der Kulturen, aus denen Europa hervorging (Ägypten, Babylon, Syrien, Griechenland ...), untergingen.

Schon die antiken Griechen, die mit Alexander dem Großen bis in indische Bereiche vorstießen, berichteten von der Verehrung der Götter Shiva oder Vishnu und verglichen sie mit ihren [[Gott|Göttern. Doch während sich in Europa kein Mensch mehr an Götter wie Zeus oder Athene wendet, werden die damaligen indischen Gottheiten auch heute noch verehrt. Genauso verhält es sich mit den zugehörigen Mythenkreisen: Wir Europäer studieren sie vielleicht noch in Büchern oder im Unterricht, doch in Indien werden sie noch heute gelebt und sind keine vergessenen Sagen oder Legenden.

Ende des 20. Jahrhunderts begannen sich Europäer mehr als vorher für die Philosophie und Religion Indiens zu interessieren, doch konnte der Hinduismus sich in Europa nicht so festsetzen wie der Buddhismus. Zu fremd und altertümlich erscheint dem aufgeklärten Europäer die Religions- und Kulturwelt des indischen Subkontinents. Sicher gab es und gibt es aus Indien immer wieder Anregungen im Rahmen der "Suche nach dem Licht, das aus dem Osten kommt". Ob in religiösen Bewegungen, in der Kunst oder Literatur. Aber die Prägung durch indisches Gedankengut blieb in Europa bisher an der Oberfläche und es ist nicht absehbar, dass sich das in der näheren Zukunft ändern wird.

Obwohl der Glaube Indiens nicht einheitlich gesteuert wurde und wird - etwa wie der Katholizismus durch ein Lehramt oder die Person des Papstes -, wirkt die indische Geisteswelt trotz ihrer Vielfalt dennoch geschlossener auf einen außenstehenden Betrachter als die europäische. Das mag an der über viele Jahrtausende nie gebrochenen Tradition Indiens liegen, die keinen Bruch der Antike durch das Christentum kennt, keine Trennung von Orthodoxie und Katholizismus, keine Trennung von Protestantismus und den darauf sich entwickelnden zahlreichen Sekten und in der Aufklärung gar den Bruch mit jeglicher religiöser Tradition durch den Atheismus. Dazu kommt, dass Europa vielfältige Traditionen aufgenommen und verarbeitet hat: keltische wie griechische, heidnische und orientalisch-christliche ... Dagegen ist die indische Tradition eine ungebrochene und einheitliche - ob wir die die Geschichten über die Urzeit, etwa die Veden und Puranas betrachten, ob wir die Volksmärchen mit ihren Zauberern und Feen lesen oder in die großen Ritterepen Indiens hineinblättern. Auch die Geschichten von dem Gott Vishnu, der Mensch wird und die Menschen von Unterdrückern erlöst, auch der Aberglaube der Menschen und die Philosophien der indischen Weisen: In all diesen Traditionen kommt das gleiche Verständnis der Götterwelt und des Seins zum Tragen.

Diese indische Götterwelt entfaltet sich um die drei Wesenheiten der Dreieinigkeit (Trimurti). Da tauchen Götter in bunter Fülle auf, dazu Engel, Feen, Elfen, Heilige ...

Trimurti