Allgemeines

Wie die erschienene Literatur zu den Ophiten beweist, wurde ihre Geschichte vor allem im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Gnosis von Juden erforscht, denn die Ophiten waren eine gnostische Strömung des Judentums und wurden von den strenggläubigen Juden als Ketzer betrachtet. Während des gesamten 20. Jahrhunderts erscheinen kaum Beiträge zur Geschichte dieser Glaubensrichtung, erst in jüngster Zeit hat sie wieder Interesse geweckt.

Die Bezeichnung Ophiten oder Ophianer geht auf das griechische Wort "ophis" („Schlange“) zurück. Dies deshalb, weil diese Richtung der Gnosis der Schlange im Paradies (Gen 3,1) eine göttliche Natur zuschrieb. Sie pflegten im Anschluss an vorderasiatische und ägyptische Vorstellungen einen Schlangenkultus, wobei sie sich in verschiedener Weise auch an die alttestamentliche Paradiesschlange anlehnten.

Der christliche Kirchenlehrer Irenäus berichtet uns, dass die Ophiten in dem „Schlangengestaltigen“ (Ophiomorphos) Ilda-Baoth den „Sohn der Finsternis“ sahen, dessen Mutter, Sophia Achamôth, die Tochter der Sophia, der göttlichen Weisheit, war. Den Ophiten war die Schlange höchster Gegenstand eines Mysterienkultus. Sie war Symbol der durch alle Gegensätze des physischen und geistigen Lebens sich hindurchwindenden Weltseele. Einige ophitische Sekten hielten lebende Schlangen in ihren Tempeln und brachten ihnen Opfer dar.

Wer einen schnellen und übersichtlichen Einblick in die Weltanschauung und den Kult der Ophiten erlangen will, sollte sich das so genannte "Ophitendiagramm" ansehen. Es handelt sich dabei um eine Zeichnung mit schriftlichen Zusätzen, die uns die Lehre der Sekte erklären.

Geschichte

Eine Untergruppe der Ophiten waren die Peraten im 2. Jahrhundert. Auch sie erkannten in der Schlange im Paradies ein göttliches Wesen. Ihr Name kommt von Perat, dem semitischen Namen des Flusses Euphrat, wo sie vornehmlich siedelten.

Details

Israel Meir Freimann vertrat die Ansicht, "daß die gnostische Secte der Ophiten keine christliche sey, sondern mit ihrem Ursprunge in das frühe Judenthum hinaufreiche, sich berührend mit Lehren der Cabbala und des Hauptwerkes dafür, des Sohar, und des Talmud."

Wie andere gnostische Lehren sahen die Ophiten die Erde vom Tierkreis, der Weltenschlange oder einem Feuerkreis umschlossen. Die materielle irdische Welt galt als Herrschaftsbereich des Demiurgen, von den Ophiten als Jaldabaoth bezeichnet. Dieser Jaldabaoth kann mit dem jüdischen alttestamentlichen Gott gleichgesetzt werden, schuf er doch den materiellen Kosmos nach ophitischer Lehre. Dargestellt wurde er mit einem Löwen, der einen Drachenschwanz trug (siehe z. B. am Hauptportal von Notre Dame in Paris). Der eigentliche ophitische Gott aber lebte in der Milchstraße. Nach ophitischer Lehre umgab die Erde die Region der Luft. Die Erde wiederum hatte einen unteren Bereich, den Tartaros und eine obere Hälfte, die Gehenna.

Erlösung erlangt der Ophit, indem er seinen Körper auf der Erde zurücklässt und seine Seele durch den Luftraum in den Himmel emporsteigt, dort die Sphären der sieben Planeten und ihre Archonten durchschreitet.

Der Ophiomorphus steht in der ophitischen Lehre für die Reinkarnation. Es handelt sich um eine geflügelte Schlange oder einen geflügelten Drachen, der Menschen verschlingt, sie nicht an die gnostische Lehre glauben. Sie werden durch den Ophiomorphus einer weiteren Reinkarnation zugeführt. Darstellungen, in denen Menschen aus dem Ophiomorphus austreten oder auf ihm thronen, zeigen an, dass diese Menschen dem Rad der Wiedergeburt entkamen.

Übrigens lehrten folgende gnostische Sekten ähnliches:

  • Adamiten
  • Basilianer
  • Bobomilen
  • Clementinen
  • Elkesaiten
  • Katharer
  • Sethianer
  • Simonianer
  • Sperma-Gnostiker

Ophitendiagramm

Ophitendiagramm2.jpg
Ophitendiagramm, Rekonstruktion by B. Witte Own work GFDL or [1] CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

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