Begriffserklärung

Symbol (griechisch σύμβολον sýmbolon) bezeichnet Verschiedenes:

  • ein Zeichen (Symbol)
  • ein Piktogramm, ein grafisches Zeichen
  • ein Icon auf dem Computer, ein Piktogramm in der EDV
  • eine Schriftart namens Symbol

Außerdem gibt es Symbole in der Technik. Hier verstehen wir den Begriff "Symbol" in der Bedeutung Erkennungszeichen, Kennzeichen oder Merkmal (von συμβάλλειν symbállein ‚zusammenbringen, vergleichen‘).

Das sýmbolon war bei den Griechen ein Erkennungsmerkmal, mit dem zwei Parteien (Gastfreunde, Vertragspartner) sicherstellten, dass sie einander oder jeweils Vertreter der anderen Partei wiedererkannten. So brach man etwa einen Knochen oder einen Tongegenstand in zwei Teile, und jeder der beiden Partner erhielt ein Bruchstück. Bei einem Zusammentreffen konnte die Legitimität der Beteiligten überprüft werden, indem die Teile passend zusammengesetzt wurden. Daraus entwickelten sich die Bedeutungen "Kennzeichen", "Beweis", "Vertrag", "Ausweis", "Passwort", "Code". In seinem Traktat "De interpretatione" bezeichnete Aristoteles die Schrift als „sýmbolon“ der gesprochenen Sprache sowie „das zur Sprache Gekommene“ als "sýmbolon" der "Vorgänge in der Seele". Über das lateinische symbolum, das "(Kenn-)Zeichen", "Emblem", "Sinnbild", "Bild" bedeutete, kam das Wort in die deutsche Sprache.

Ursprünglich fand man das entsprechende Wort für sýmbolon auf einer altägyptischen Bleimarke. Sie wurde von den alten Ägyptern als eine Ausweismarke benutzt. Solche Ausweismarken gab es nicht nur aus Blei, sondern aus den unterschiedlichsten Materialien. Die Römer nannten nach den Griechen solche Ausweismarken "tesserae", zunächst in der Bedeutung des Erkennungsmerkmals. Erst nach und nach verdichtete sich der Begriff auf das Zeichen, also den Bildinhalt der tesserae. Zur gleichen Zeit änderte das Verb "symballein" in Redewendungen seine Bedeutungund umschrieb nun ein Verbergen oder Verhüllen. Das Zeichen, das zum Symbol geworden war, verschlüsselte also oder tarnte den offenen Sinn des Dargestellten. Nur noch eingeweihte Betrachter konnten nun die verschlüsselte Aussage verstehen.

Von hier ist es kein großer Schritt mehr, dass der Symbolbegriff für das in wenigen Grundaussagen zusammengefasste Glaubensgeheimnis von Religionen verwendet wurde. Meist war mit Religionen ja auch etwas Geheimnisvolles, ein Arcanum, verbunden.

Ist vom "Symbol" die Rede, tauchen Assoziationen auf wie Allgegorie, Attribut, Methapher, Gleichnis, Emblem, Archetyp, Heilszeichen, Hieroglyphen oder Elementarzeichen. Die Unterschiede zwischen diesen Assoziationen und dem Symbolbegriff sind nicht einfach zu fassen.

Sinnbild-Haftigkeit

Ein Symbol ist etwas, das für etwas anderes steht. Anders gesagt: Symbole sind Sinnbilder. Wissenschaftler drücken das natürlich anders aus. Sie sprechen davon, dass ein Symbol im Allgemeinen für Zeichen, Wörter, aber auch für Gegenstände, Vorgänge und anderes (so genannte Bedeutungsträger in der Sprachphilosophie) steht. Symbole verweisen auf eine Vorstellung von etwas, das nicht gegenwärtig sein muss, also etwas Abstraktes ist. Welche Vorstellung dann mit dem Wort "Symbol" assoziiert werden soll, wird in den einzelnen Anwendungsgebieten speziell definiert.

Unsere heutige Zeit ist durch die Überflutung mit optischen Reizen gekennzeichnet. Deshalb befürchten manche Symbolforscher, dass das bildhafte Denken des Menschen mehr und mehr verkümmert. Das muss nicht sein, denn die Beschäftigung mit Symbolen kann uns helfen, hinter die Dinge zu sehen und dadurch visuelle und verbale Ebenen einer vielschichtigen Welt miteinander zu verbinden.

Träger vieler Bedeutungen

Text und Bild können ein Symbol erschließen, seine innewohnenden Bedeutungen evozieren, weil aber ein Symbol immer geheimnisvolle Disparitäten vereint, werden in der Beschreibung eines Symbols keine Definitionen möglich sein. Denn ein Symbol ist lebendig und lässt sich nicht fest umgrenzen, sondern entfaltet sich in der Beschäftigung mit ihm, so dass mit der Zeit neue Bedeutungen aufscheinen können. In der Beschäftigung mit Symbolen sind viele Träger von Bedeutungen zu berücksichtigen: intrapsychische Landschaften, etymologische Wurzeln, das Spiel von Gegensätzen, Schatten und Paradoxien, unterschiedliche Kulturen, unbewusste Projektionen, empirische Realitäten ...

Nicht überall wird der Drache als böser Feind gesehen. Nicht überall steht das Herz für Liebe. Echte Symbole zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie auf verschiedenen Wissensebenen verschiedene Aussagen transportieren. Oft ist es das religiöse Denksystem, das darüber entscheidet, was der Einzelne in einem bestimmten Objekt erkennt. Denn je nach Religion kann der Mensch sich unterschiedlich in den "Heilsplan" seines Gottes einordnen. Weil Religion weder auf Logik noch auf einer ständig sich verbessernden Naturkenntnis beruht, ist die Auseinandersetzung mit früher entwickelten Bilderwelten der Religion jederzeit aktuell. Eine Abwertung dieser religiösen Weltsicht und damit deren Symbolwelten ist also nicht gerechtfertigt und verfehlt ihr Ziel.

Dieser Hintergrund führt dazu, dass dieses Symbole-Wiki nie vollständig sein wird, denn Symbole wandern sowohl örtlich wie zeitlich. Sie wandern viele Jahrhunderte entlang von Handelsstraßen von einem Kontinent zum anderen und nehmen dabei immer neue Deutungen an. So spannt sich der Bogen dieses Symbol-Lexikons von den prähistorischen Felsenzeichnungen bis hin zur modernen Symbolik.

Anwendungsgebiete

Verschiedene Anwendungsgebiete (z. B. die Mathematik) oder Kulturen und Religionen definieren im Einzelnen, welche Vorstellung konkret mit dem jeweiligen Symbol verbunden bzw. assoziiert wird. Ein Symbol kann eine andere Sache, einen Vorgang oder etwas Abstraktes wie eine Idee stellvertretend zum Ausdruck bringen. Das mit dem Symbol in Verbindung Gebrachte braucht auf den ersten Blick nichts mit dem Symbol zu tun zu haben. Im Gegenteil: Das Bild ist die Schwelle, die in neue Schichten der Bedeutung führt. Symbolische Bilder sind lebendige Träger von Möglichkeiten. Deshalb ist es nicht einfach, etwas über Symbole zu schreiben, denn jedes Symbol hat viele Bedeutungsschichten, weshalb zu jedem Symbol fast ein eigenes Buch notwendig wäre. Je nach den Vorstellungen der Menschen, die es interpretieren, können Symbole verschiedenste Bedeutungen beinhalten. Das zeigt sich vor allem an Symbolen wie Dreieck, Kreis, Kreuz, Quadrat oder Stern, die auf der ganzen Welt vorkommen.

Antisymbolische Kritik

Nicht zu leugnen ist, dass manche Symbole Menschen, die mit ihnen umgingen oder umgehen mussten, lebensfeindlich entgegentraten. Wir denken z. B. an das Aztekenreich, in dem Blut ein Ritualsymbol war, das zur Tötung von Feinden ermächtigte. Auch im Nationalsozialismus brachten Symbole wie Fahne, Führer oder Blut und Boden unermessliches Leid über die Menschheit.

Auch die Werbung benutzt als "geheimer Verführer" die Bildgewalt von Symbolen, um Menschen zu beeinflussen, sie als von Außen gesteuerte Massenmenschen im Sinne der Wirtschaft auszubeuten, indem sie Wunschvorstellungen hervorruft, die mit Konsum befriedigt werden sollen. Sicher ist es übertrieben davon zu sprechen, dass die Symbole der Werbung den Menschen zu einem bloß funktionierenden Konsum-Roboter machen und ihn so entmündigen, doch die Gefahr der massiven und kaum zu

An diesen wenigen Beispielen zeigt sich eine negative Macht der Symbole. Manche in den Tiefenschichten der Person verankerte Symbole können ein Eigenleben entfalten und ihre Schöpfer beeinflussen - nicht immer nur positiv. Zwar zählen die meisten Symbole zu den wertvollsten geistigen Besitztümern der Menschheit und haben zu wunderbaren Werken der Kulturgeschichte geführt wie z. B. Pyramiden, Gemälden, Feiern, Dichtungen ..., aber der Symbolschatz muss auf Reinheit und Qualität hin geprüft werden, soll er dem Menschen helfen.

Symbole in der Dichtung

Symbole drücken etwas aus, was nicht gesagt werden kann. Deshalb ist die Dichtung eine andere Form der Betrachtung von Symbolen, die etwas aufschimmern lässt, was ansonsten ungeahnt bleibt. Manche Sicht eines Symbols provoziert eine andere Sicht, eine andere Assoziation. Die dichterische Reflexion eines Symbols kann nicht zu Ende gehen. Wir können nur Gemeinsames feststellen, Assoziationen, Reflexionen, auf die sich die meisten Menschen eines Kulturkreises einigen können.